Blog

Ein unseriöser Blog

Warum Wonder Woman nicht reicht

 

Menschen feiern die neue Wonder Woman Verfilmung von 2017 als feministische Filmrevolution. Doch als ich aus dem Kino kam, fühlte ich mich ganz anders.

 

Ja, Wonder Woman ist eine der wenigen großen (und wohlmöglich die einzig gute) Comicverfilmung mit einer Frau (und was für einer) als Hauptfigur.

Aber mich störte bei der Verfilmung ein ganz bestimmtes und durchgängiges Motiv: Die Frau in Wonder Woman emanzipierte sich dadurch, dass sie zum Mann wurde.

 

Das wurde unter anderem darin deutlich, dass Wonder Woman und die Frauen der Amazoneninsel Themyscira sich zu steinharten Kriegerinnen ausgebildet haben. Um die Emanzipation der Frau im Ersten Weltkrieg phänotypisch zu verkörpern, kleidet sich Wonder Woman anstatt in ein Kleid in einen männlich wirkenden Anorak.

 

Und weitergehend war Wonder Woman in ihrer Ausgangssituation in eine Rolle gequetscht, die ihr grenzenlose Naivität zuschrieb, die der Mann, Travor, ihr erst nehmen musste. Das tat Travor, indem er ihr die Welt (das Ehebett, den Beischlaf) erklärte und ihr durch den Krieg die Grundsteine für ihre Lebensaufgabe legte. Anstatt als eine aufgeklärte, emanzipierte Frau, startete Wonder Woman als isolierte, naive, superemotionale junge Frau, die bei dem Wort „Krieg“ fast zu weinen beginnt. Und natürlich muss sie sich in den ersten Mann verlieben, der ihr begegnet, da ihr aus ihrer inferioren, emotionalen, hormonellen Weiblichkeit gar keine andere Wahl blieb.

 

Ein feministischer Film sollte nicht darstellen, dass Frauen, die in der Männerwelt Erfolg und Anerkennung erreichen wollen, sich in Männer verwandeln müssen. Und sich nicht ohne die Hilfe eines Manne aus ihrer hyperemotionalen, hypernaiven Ausgangssituation emanzipieren können.

 

Auf der anderen Seite hat der Film auch sehr feministische Positionen. Die Regisseurin Patty Jenkins ist bekannt geworden durch den Oscar-prämierten Film „Monster“ mit Charlize Theron. Sie ist eine Frau, die sich in einer Branche, in der maßgeblich Männer Unterhaltung für Männer gestalten, erfolgreich durchsetzen konnte. Auch stammt die Interpretation des Main Theme von der großartigen Cellistin Tina Guo. Regisseurin und Cellistin sind Frauen, die sich wirklich in einer Männerwelt erfolgreich durchgesetzt haben, und das ohne Kampfausbildung und Anorak.

 

© Anne- Sarah Fiebig

 

 

 

 

 

Der Karrieremann

Als ich einen Artikel über alten und neuen Feminismus überschlug, fiel mir der Begriff Karrierefrau in die Augen. Wenn sich eine Frau „gegen das Leben in Heim und Herd“ entscheidet und ihre Kinder in pädagogische Obhut gibt, um einem Job nachzugehen, wird ihr der Stempel der „Karrierefrau“ aufgedrückt: "Sie hat sich gegen die Familie und für die Karriere entschieden“, „sie ist eine Karrierefrau“. Eine Karrierefrau existiert nur ganz oder gar nicht. Entweder Familie oder Karriere. Das Bild der Karrierefrau wird an einen Hosenanzug gebunden, eine Brille über strengem Blick, kurzer Haarschnitt, hohe Schuhe. Möglicherweise ledig, a-sexuell, unzufrieden. „Eine typische Karrierefrau“ wird auch unter Frauen hinter vorgehaltenen Händen gelästert. Das ist in anderen Ländern, wie beispielsweise Frankreich, anders. In Frankreich ist es üblich, dass das eine das andere nicht ausschließt. Mütter fühlen sich in Frankreich weniger gehindert, einer Karriere nachzugehen. In der französischen Gesellschaft ist die Frau, die einen erfolgreichen Beruf anstrebt, fest in der Gesellschaft verankert. "Rabenmutter.."

Wenn es also die Karrierefrau gibt. Gibt es dann auch einen Karrieremann? "Häää?" Unverständnis macht sich breit, wenn ich den Begriff Freunden gegenüber erwähne. "Was ist denn ein Karrieremann?" Ist das Äquivalent also nicht der Karrieremann, sondern der Familienmann? "Aaahh." Es scheint so: „Er bleibt also Zuhause“, „er ist ein Hausmann“, „seine Frau verdient bestimmt besser als er“.

Es ist immer noch nicht angekommen. Feminismus heißt nicht, dass Frauen jetzt lange Hosen tragen können. Feminismus heißt, dass sich Frau und Mann diskriminierungsfrei selbst für das Leben entscheiden können, das sie sich wünschen.

© Anne- Sarah Fiebig

TEXT und INHALTE © Anne- Sarah Fiebig Alle Rechte vorbehalten

TEXT und INHALTE © Anne- Sarah Fiebig Alle Rechte vorbehalten